Mist, verdammte Axt, ich habe schon wieder das Kabel vergessen, mit dem ich Fotos von der Kamera auf den Tragbaren laden kann. So muss ich mich wieder gedulden, bis ich morgen zu Hause bin, vorher noch einen kleinen, unfreiwilligen Abstecher aus privaten Gründen und eine damit verbundene Absage nach Reutlingen - es kann nicht immer alles glatt laufen, aber es ist alles gut. Vor allen Dingen gestern, als mich das Leben fast schon zu reich beschenkte, weil ich mit großartigen Poeten die Bühne teilen durfte, weil ich famose Texte hörte und zweimal auf ein sehr aufnahmefreudiges Publikum traf, weil ich einen anstrengenden, aber wahrhaftig wundervollen Tag erlebte, der irgendwann nach endlosen Kickereien, Quasseleien und umgeworfenen, leeren Wasserflaschen im tiefen Schlaf endete. Ganz großartig war es, Hanz, Julius Fischer, Michael Jakob, Sushi, Andy Strauß und Sara Kritzler zu lauschen - und den anderen, die ich jetzt nicht noch namentlich erwähne, weil ich sonst einen Aufzählungstext schreibe, statt einen Tagebucheintrag zu verfassen. Die Fotos folgen dann irgendwann später, vermutlich wieder nur auf Facebook, weil alles andere mittlerweile einfach nervig und anstrengend ist - ich bin ja oft mehr mit dem Datentransfer beschäftigt, als mit irgendwelchen kreativen Ausgüssen. Schlimme Sache.
Ja, Siegen war schon kurios. Mit einem Moderator, der Licht und Schatten in seiner Arbeit vereinte, mit einem sehr wachen und kritikfähigem Publikum, mit tollen lokalen Poeten, die um Haaresbreite am Finale scheiterten, mit dem LYZ, das im beinahe fast ganz ausverkauften Zustand wirklich einen ganz großartigen Eindruck machte und Bereich hinter der Bühne, der seinesgleichen sucht. Ein Kicker-Tisch fehlt dort zwar und um 15 Uhr schon zu alkoholischen Getränken zu greifen, lag uns allen nicht nahe, dafür brillierte und perlte dann aber das Fuck Hornisschen Orchestra mit Julius und Christian, dass es nur so eine Freude war. Und den Job als Merchandiser, den habe ich mir noch einmal warm empfohlen. Denke ich. In Düsseldorf zeigten Pamela und Markim, was ein gutes Moderatoren-Team ausmacht - unbeschreiblich. Ärgerlich nur, dass Pamela ihre Unterwäsche nicht wie versprochen dem Drittplatzierten aushändigte, sondern schließlich doch für sich behielt. Dafür war es für uns alle ein Fest, vor einem Slam erfahrenen Publikum Texte in den Raum zu werfen, die letztlich alles abdeckten, was in einem Poetry Slam vorkommen darf, muss, kann und soll. Dass ich sowohl in Düsseldorf als auch in Siegen wiederkommen darf und muss, ist ein absolut angenehmer Nebeneffekt, den ich nach diesen feinen Veranstaltungen gern, wirklich gern in Kauf nehme, ohne ihn wirklich zu bezahlen. Ich war gestern ein Serientäter, Entschuldigung. Die Zahlen nerven mich. Kolossal. Es ist nichts, was mich umbrächte, aber die Existenz wankt schon ein wenig. Es ist nichts, was mich zum Jammern bringt, aber eine kleine Falte der Besorgnis formt sich dennoch. Es ist alles nicht so schlimm, aber ein bisschen dann doch. Ich mache das irgendwie, das weiß ich. Und es geht auch alles gut aus, weil ich daran glaube. Ganz sicher. Ich kenne meinen Weg. Punktum.
Alles andere kommt später.
Grüße an alle. Jawohl. An Julius und Michl und Hanz und Sara und Andy und Markim und Pamela und an Andy in Siegen und an Olaf, den zersprengten Moderator und an Siegen und an Düsseldorf und an Jenny und an Christine und an den Regen und an Max und an Nadine und an alle, die ich jetzt noch vergessen habe und mich dafür schämen sollte.
...und irgendwann kommen sie und holen mich ab. |
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Es ist an der Zeit, die Wahrheit zu sagen, nichts zu verschweigen.“Die Wahrheit”, sagt mein Bruder, “die Wahrheit ist die beste Lüge, denn niemand wird dir glauben.” Niemand wird mir glauben, davon bin ich überzeugt, aber ich habe mir sein jenem Abend selbst versprochen, nur noch die Wahrheit zu sagen. Nichts anderes als die Wahrheit, auch wenn mir kein Gott helfen kann. (aus "Feuerbrüder")
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