schriftstehler

Geschichten und Gedanken




Wunderbares Jahr
geschrieben am: Saturday, 30. May 2009, 12.16 Uhr

Das Tagebuch

Es ist ja nicht so, dass die Zeit an mir vorbeiflöge. Nein, sie grüßt mich momentan nicht einmal, ich sehe sie auch nicht, ich merke nicht einmal, dass sie existiert. Aber ich weiß, dass sie da ist, ich lasse mir da nichts vormachen. Von niemandem, nicht einmal von mir selbst. Dafür macht alles noch wesentlich mehr Spaß, als es jemals zuvor der Fall war. Da fällt mir immer wieder dieser lächerliche Text ein, der in einem Glückskeks steckte. Der Text, der Satz, der sagte, ich solle einen geraden Weg gehen, wenn ich etwas erreichen will. Mein Weg war vermutlich niemals gerader als in diesen Tagen, diesen Monaten, diesem ganzen, verdammt wundervollen Jahr. Ich will die 365 nicht vor dem Ablauf loben, aber zum einen ist mir die Zeit ohnehin nicht vorgestellt worden, zum anderen war ich bislang kein Freund von Resümees oder anderen wunderlichen Dingen. Ich bin gerade hier und bleibe noch eine Weile, die ich genieße werde. So wie bis jetzt. Oder so. Ach so, das ist im Übrigen Marque-Regnier, der gestern den Slam in der Auster Bar gewonnen hat - der zweite Platz schmeckte mir trefflich, passend zur Jahresbeilage.

 

Die Ideen fallen aus meinem Kopf, sie tropfen auf das Papier, das ich gerade noch unter den Rinnsal schieben kann, ich fange sie alle auf, verwerfe doch den größten Teil wieder, schöpfe etwas von dem ab, das eben jenes Blatt Papier nicht mehr fassen kann und zu Boden zu fallen droht, ich sehe es mir an, das Gedankengut, das dunkel glitzert und darauf wartet, verpackt zu oder befreit zu werden. Ideen fallen aus meinem Kopf, sie stürzen sie wie Lemminge aus den Fenstern meiner Seele, sie wollen sterben, um zu leben, und ich mag sie nicht abhalten, ich bestärke sie in ihrem Handeln und hoffe, dass ich davon profitiere, irgendwann, wenn ich begriffen habe, was ich von mir will, wenn ich meinen Kopf öffne, ein Loch hineinschlage, um dem ein Sprungbrett zu verschaffen, was nach Freiheit schreit, ohne zu wissen, was das eigentlich heißt.

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